Key West - "Everything Old is New Again"

Key West ist das Endziel einer jeden Reise über den Overseas Highway US 1, wo die Inselkette der Florida Keys ins Meer mündet, umgeben vom Charme des 19. -und den Attraktionen des 21. Jahrhunderts. Key West durchlebte goldene Zeiten - sie war 1889 die reichste Stadt Amerikas gemessen am Pro-Kopf-Einkommen - aber auch dunkelste Tage - sie mußte in den 1930ern Konkurs erklären. Und dennoch hat sie sich durch alle Höhen und Tiefen ihrer wechselvollen Geschichte ihren Nimbus bewahrt als eine der faszinierendsten Städte der Welt. Ihre farbenfrohe Vergangenheit reicht vom spanischen Eroberer Ponce de Leon über Eisenbahnkönig Henry Flagler bis hin zu Präsident Harry Truman, der so oft er konnte im Little White House einen Kurz-Urlaub verbrachte.

Die besondere Atmosphäre von „Amerikas südlichster Stadt“ (natürlich stimmte das mit der Eingliederung von Hawaii als 50. US-Bundesstaat 1953 nicht mehr), die näher an Kuba (ca. 140 km) als an
Miami (ca. 240 km) liegt, war und ist ein Ort besonderer Inspiration. Die unvergleichliche Mischung aus kriegerischer Historie - von Piraten über den amerikanischen Bürgerkrieg bis zur Kuba-Krise - palmengesäumter, verträumter Strassen mit charmanten Villen im Victorianischen Baustil und das wie Balsam wirkende, milde Küstenwetter lockte berühmte Künstler, Schriftsteller und Hollywood-Stars nach Key West.

So kam auch Ernest Hemingway 1929 hierher und schrieb drei große Romane in Key West, unter anderem „Der alte Mann und das Meer“, wofür er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Auch der Dramatiker Tennessee Williams (Die Katze auf dem heißen Blechdach), der Naturschriftsteller James Audubon und der Publizist Robert Frost nannten Key West ihre Heimat - zum Teil bis zu ihrem Tode.

Ein Bummel entlang der historischen Whitehead Street ist nicht nur ein Augenschmaus für Architektur-Begeisterte sondern auch die beste Möglichkeit die Höhepunkte von Key Wests reicher und lebendiger Vergangenheit zu entdecken. Hier befinden sich neben einer Reihe kleinerer, sehenswerter Museen und dem Key West Aquarium unter anderem auch die bekannteren Tourismus-Stops wie das Audubon House mit seinem tropischen Garten, das Hemingway Haus, das Little White House von Präsident Harry S. Truman und Mel Fishers Schatzmuseum, deren Besichtigung für alle Key West Besucher fast schon ein Muss sind.

Die beste Art einen Überblick über Key West zu erhalten, ist die Tour mit dem Conch Train. Für ca.15 Dollar buchen Sie eine Rundfahrt um die Insel einschließlich sachkundiger und mit Lokalkolorit gewürzter Reiseführer-Kommentare in mehreren Sprachen. Eine weitere Möglichkeit Key West auf eigene Faust zu entdecken ist die Benutzung der verschiedenen Trolley–Busse, die im 1/2 Stunden Pendelverkehr die Insel umrunden und wo man an entsprechend gekennzeichneten Haltestellen beliebig oft aus– oder zusteigen kann. Und dann gibt’s natürlich noch die kleinen Motorroller zu mieten, sodass man im ohnehin eng bebauten Key West aufs Auto am besten gänzlich verzichtet.

Die Besonderheiten der Key West Architektur, der berühmte, entspannte Lebensstil dieser Insel, das besondere Licht, die Orgie an Farben und verschwenderischer Natur dieser nur ca. 3 x 6 km großen Insel - all das bereitet den Nährboden für eine große Anzahl künstlerischer Talente. Mehr als Hundert publizierende Autoren leben permanent oder teilweise auf Key West, dass somit über mehr Schriftsteller pro Kopf der Bevölkerung verfügt, als irgendeine andere Stadt Amerikas. Dazu gibt es eine große Gemeinde an darstellenden Künstlern mit Dutzenden von Gallerien aller Kunstrichtungen, was dem Besucher bei soviel Konkurrenz so manches gute „Schnäppchen“ beim Erwerb von Bildern etc. ermöglicht.

Wer sich für Schiffswracks mit versunkenen Schätzen, Piratenleben und Seefahrthistorie interessiert, dem sei der Besuch von Mel Fishers Maritime Heritage Society Museum empfohlen. Der legendäre Schatzsucher, dessen Leben sich wie ein Filmmanuskript liest und der 1998 in seiner Heimatstadt Key West starb, birgt Schätze im Wert von mehr als 400 Millionen Dollar an Gold und Silber aus den Wracks der im 17. Jahrhundert gesunkenen spanischen Schatz-Galleonen „Senora de Atocha“ und „Santa Margarita“.

Fisher suchte 16 Jahre unter großen finanziellen und persönlichen Opfern (sein Sohn verlor bei einem Tauchgang sein Leben) nach den versunkenen Schiffswracks und fand sie schließlich 45 Meilen westlich von Key West. Heute können Besucher diese zum Teil einmaligen Schätze im von ihm gegründeten Museum besichtigen und zum Teil sogar erwerben. Nähere Informationen zu Mel Fisher und seinen geborgenen Schätzen finden Sie auf den Web-seiten
 www.melfisher.org und www.melfisher.com.

Parallel zur historischen Whitehead Street gelegen, verbindet die quirlige Duval Street, die Haupteinkaufs- und Flaniermeile von Key West die Altstadt mit der Beach. Deshalb wird sie liebevoll auch die „längste Hauptstraße der Welt“ genannt wird, verbindet sie doch bis auf ein paar hundert Meter den Golf von Mexico mit dem Atlantic. Hier pocht das kommerzielle Herz von Key West mit Hunderten von Souvenir-Shops, Restaurants, Boutiquen, Gallerien, Fastfood-Ketten und Bars etc., die nach Einbruch der Dunkelheit ins berühmte Key West Nachtleben ausarten. Duval Crawl ist eine populäre Key West Beschreibung jener „Fun-Sucher“, die es sich zum Ziel gesetzt haben, eine möglichst große Anzahl an Kneipen während eines Abends zu „sammeln“.

An ihrem nördlichen Ende teilt Duval Street die Altstadt von Key West in den historischen Teil und den Bereich um den berühmten Mallory Square mit den hübsch restaurierten historischen Hafenanlagen und Dutzenden von Cafes, Restaurants und trendigen Bars. Am Ende des Tages versammelt sich hier Abend für Abend eine unübersehbare Menschenmenge zum weltberühmten Sonnenuntergangs-Fest, den „Sunset Celebrations“. Diese nächtliche Attraktion ist eine Mischung aus Zirkus-Atmosphäre und Tribut an die Wunder der Natur. Während fliegende Händler, Artisten, Musiker und Straßenkünstler für einen unvergeßlichen Unterhaltungsrahmen sorgen, versinkt die Sonne langsam im Meer, verbunden mit einem in der Regel spektakulären Farbenspiel, das vom tiefsten Purpur über Blutrot bis zum Zart-Rosa reicht. Es markiert den passenden Abschluss eines unvergesslichen Tages in einer faszinierenden Stadt, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

©  B. Carpenter