Floridas Hotel-Historie
Wie so viele Dinge des modernen, täglichen Lebens erscheint uns auch der Hotelaufenthalt in Florida nahezu selbstverständlich und vertraut. Wer denkt schon darüber nach, daß es ohne Hotels keine Business-Traveler gäbe und schon gar keinen Massen-Tourismus. Zwar stand auch die Wiege der modernen Hotellerie nicht in den USA, sondern in Europa. Aber es waren dennoch nicht zuletzt die Gründerzeit-Pioniere im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die daraus die heutige Industrie formten. Namen wie Conrad Hilton (Hilton-Hotels) oder Johann Jacob Astor (Waldorf Astoria) kommen einem da spontan in den Sinn.
Wer allerdings auch nur ein wenig mit Floridas Historie vertraut ist, der wird beim Stichwort Hotel zuallererst an Henry M. Flagler, aber auch an Henry B. Plant denken.
Eisenbahn-König Flagler war, ebenso wie Plant und viele seiner berühmten Zeitgenossen (Ölbaron Rockefeller, Auto-König Ford, Zeitungsmagnat Hearst, Stahl-König Carnegie, Finanzmagnat J. P. Morgan etc.) ein „Robber Baron“, ein gerissener Geschäftsmann und Abenteurer mit viel Geld. Er war neben John D. Rockefeller Mitbesitzer der Ölfirma Standard Oil (heute Exxon-Mobil), eine Beteiligung, die ihn aber nicht so recht glücklich machte. Das Geschäft mit dem schwarzen Gold langweilte ihn, seine Passion galt vielmehr der Eisenbahn und dem Tourismus.
So ließ er sich seinen Anteil an Standard Oil zu einem großen Teil auszahlen und kam auf die auch für Amerikaner der Jahrhundertwende verwegene Idee, eine Eisenbahn von New York nach Florida zu bauen. Bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ereichte Flagler's Railroad den Norden des Sonnenstaates. Wer nun, in einer Zeit als es noch keine Flugzeuge gab und auch das Automobil noch in den Kinderschuhen steckte, dem New Yorker Winter entfliehen wollte, der gelangte in "nur" 29 Stunden an sein Ziel.
Flagler baute mit einem nach heutigen Maßstäben Milliardenaufwand an eigenem Geld Brücken, kaufte Zugverbindungen anderer Gesellschaften und baute Hotels wie das berühmte Ponce de Leon in St. Augustine. Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts erreichte Flaglers Eisenbahn - die Florida Eastcoast Railroad (FEC), die es auch heute noch gibt, wenngleich sie heute nur noch Güter befördert - schließlich Palm Beach. Hier ließ Flagler als erstes Hotel das Royal Poinciana erbauen und anschließend, 1896, das Palm Beach Inn, dass er im Jahre 1900 in The Breakers umtaufte. Auch heute gehört das Breakers, das zweimal, zuletzt 1925, von einem großen Feuer heimgesucht und immer noch prächtiger wieder aufgebaut wurde, zu den schönsten Hotels der Welt.
Flagler baute, ermuntert vor allem auch durch seinen wirtschaftlichen Erfolg, weiter. Zunächst überzeugte ihn Julia Tuttle, die Gründerin Miamis, in einem denkwürdigen Deal, seine Eisenbahstrecke bis ins damals völlig unbekannte Miami zu verlängern. (Link zu der entsprechenden Miami Passage)
Schließlich erreichte Flaglers Eisenbahn mit einem heroischen Einsatz an Kapital, Menschen und Material Key West. (Link zur Key West Passage).
So wie die Entwicklung der Ostküste Floridas entscheidend mit Flaglers Florida East Coast Railroad verbunden ist, so untrennbar verbunden ist die Entwicklung Central-Floridas und der Westküste von Florida mit dem Namen Henry B. Plant. Zwischen 1880 und 1890 erbaute dieser andere „Eisenbahn-König“ Floridas ein Imperium aus Eisenbahngesellschaften, Dampfschifffahrts-Linien und Hotels. Er krönte sein Imperium mit dem Bau des Tampa Bay Hotels, einem Palast im venezianischen und maurischen Baustil, das als Floridas erstes „Magic Kingdom" bezeichnet wird. Heute beherbergt dieses imposante Gebäude die Universität von Tampa und das Henry B. Plant Museum, dessen Besuch ein Muss ist für jeden Tampa Besucher.
Geschichte und Geschichtchen, Glanz und Gloria, Luxus und Laster, Macht und Money - das ist aber nur eine, zugegeben faszinierende, Seite von Florida's Hospitality und Lodging Industrie, die dem Normalverbraucher allenfalls als Besichtigungsobjekt denn als Unterkunft offenstehen. Im Zeitalter des Massentourismus dominieren die "Chain-Hotels" der Ramada, Radisson und Holiday Inn die über 4.500 Hotels in Florida.
Daneben jedoch behauptet sich eine Gruppe von kleinen, individuellen, meist eigentümergeführten Hotels, die eine wohltuende, oftmals attraktive Alternative bieten zur Uniformität der großen Hotelketten. Sie stehen den großen Hotelketten in nichts nach - weder in der Lage noch in der Ausstattung, oftmals aber im Preis und in ihrer Individualität.
Unser Artikel ,Wie man sich bettet so liegt man" - Floridas Small Lodgings informiert Sie ausführlich über Floridas „andere“ Hotels und bietet Ihnen gleichzeitig eine Auswahl an Hotels dieser Kategorie in ganz Florida, die wir für Sie besucht und ausführlich beschrieben und bewertet haben.
© Bernard Carpenter